
Jeden deiner Wesenszüge und jede noch so kleine Falte in deinem zerlebten Gesicht sichert meine Existenz.
Ich bin das Auge.
Du lebst für zwei.
Dein Kopf ist mein Kopf, bist du blind, bin ich es.
Detailliert dokumentiere ich das Rümpfen deines linken Nasenflügels, während du versuchst, den Ekel vor mir zu verbergen. Zärtlich streift die weiche Haut deines Daumens deinen Zeigefinger beim Ballen einer Faust. Ich kann deinen Herzschlag sehen.
Ich bin der Parasit.
Du wirst von innen her zerfressen, um mich am Leben zu erhalten.
Du bist die Sonne. Ich bin dein Schatten.
Dein Licht strahlt für die ganze Welt und ich weich nicht von deiner Seite, bis du letztlich untergehst. Häng fest an deinen Fersen, wie dein dunkler Zwilling.
Kein Gedanke bleibt verborgen. Zumindest nicht vor mir.
Ich bin das Mal des Teufels.
Eingebrannt in dich und unverleugbar.
Kannst du je frei sein ohne mich?

Und wenn du jetzt verreckst, find ich dich und rotze höchstpersönlich auf dein verkacktes Grab! Und wenn du meinst, du musst jetzt anfangen, Kopfmensch zu sein und deine Halbvernunft voll auszukosten, und dabei deine verdammte Existenz zu riskieren, dann fick dich doch. Irgendwo bist du und irgendwo bin ich und irgendwie kommen wir doch beide nie klar, eigentlich doch eh nur aufeinander. Und dann liegst du schon wieder neben mir, wie jeden Sommer, und es gibt den kühlen Wind am offenen Fenster und deinen heißen Atem in meinem Nacken und die schönen Scherben unserer Leben, die immer irgendwo nebeneinanderher verlaufen, und sonst nichts, und das reicht auch einfach für den Moment. Es ist die Scheißtherapie, die sie sich alle mit ihren kleinen, pastelligen Tabletten und den Dokumentationen deiner selbst erhoffen, in codierten Emotionen. Lass das Leben dich nicht zerleben. Wolf, pass auf, dass dich kein Schaf reißt.
deardiaryblafuckyou. XD ♥
29042012
If we want to wear a bra, we wear a bra - if we don’t want to wear one, we don’t. We have as much sex as we want to - or as less, if we are just not in the mood oder just don’t want to fuck everybody. We are not pro-abortion, we are for treating your body with respect and using your mind - but not for being forced to get a baby you don’t want to get and being told what to do with your body. We don’t need suppression of men to fight against the suppression by men and treat them with respect. We can also have the sex we want to have and play the role we want to play, we can look pretty, feminine and sexy or however we feel comfortable with ourselves without losing any of our integrity or worth as a women. We can choose exactly that way of living we prefer. And we do.

Da stand sie einfach. Heulend und ein bisschen verstört im Regen an der Frittenbude. Nasse Leggings mit verzogenen roten Herzen klebten an Beinen, für die sie ein Karl Lagerfeld wohl in den Suizid getrieben hätte. Man konnte sie einfach so auflesen wie Aschenputtel ihre Linsen. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Sie war gewiss keine Gute, aber ich nahm sie trotzdem mit zu mir. Gebrochenes Kind zwischen blütenreiner Bettwäsche. Als wir bei mir waren, weinte sie immernoch. Ich schob sie in meine kleine Wohnung, ein Paradies frisch aus dem IKEA-Katalog, und zog sie aus. Stellte sie in die Dusche und drehte den Wasserhahn ganz auf. Ihr Gesicht verzog sich, als die dampfenden Tropfen auf ihre Haut trafen, aber alles ist besser als das, was vorher gewesen zu sein schien, dachte ich mir. Wimmernd und krebsrot stand sie nun also vor mir, völlig hilflos und überfordert, aber irgendwie froh, dass endlich jemand kam, der sie rettete. Das konnte sie voraussagen, erzählte sie mir, als ich ihr ein Erdbeermarmeladentoast und einen Pfefferminztee vorsetzte. Der Teller hatte eine abgeplatzte Stelle, an der man die Farbe des Tons erkennen konnte. Als sie fertig war, standen wir auf und legten uns nebeneinander in mein Bett. Ihre Haut war jetzt ganz warm und weich. Sie zuckte, wenn man sie berührte. Es dauerte nicht lange, da hatte sich unter ihren schwarzen Locken ein feuchter Fleck gebildet, der sich immer weiter in meine Richtung auszubreiten schien. Ihre dichten Wimpern bildeten einen perfekten Verschluss für ihre müden Lider, die die Außenwelt für immer ausschließen konnten, wenn sie es nur genügend wollte. Ich ließ meinen glänzenden Schmetterling aus der Schublade meines birkenfurnierten MALM-Nachttischs fliegen und rammte ihn ihr in den Hals. Sie röchelte kurz, hatte aber endlich aufgehört zu weinen. Das hübsche Ding. Ich stand auf, zog mich leise wieder an und ging zurück in den Regen. Ich liebe Septembernächte.


Meine Bahn kommt erst in 8 Minuten und mein Kopf ist viel zu wirr. 8 Minuten. Eine Ewigkeit. Ein ganzes Leben. Zumindest, wenn man sich beeilt.
Vorsichtig schaue ich mich um. Berlin ist voll von Menschen, egal um welche Zeit. Wie ein riesengroßer Ameisenhaufen, alle auf der Suche nach der Königin, jeder auf der Suche nach seinem Glück. Naivität an allen Ecken und Enden. Der Bahnhof stinkt nach Pisse. Neben mir zwei betrunkene Mädchen mit internetfähigem Handy. Essentielle Momente werden genauestens dokumentiert. Kopfschütteln eines älteren Herrn knapp zweieinhalb Meter weiter.
Fast schon zärtlich lasse ich meine Hand in meine ausgebeulte Manteltasche gleiten und befühle langsam den langen, kalten Gegenstand darin. Reine Vorsichtsmaßnahme. Ich hab den Löffel schon lange nicht mehr benutzt. Daneben das Feuerzeug. Ich habe es einem Krüppel geklaut, der sie in der U-Bahn für ein paar Cent verkauft hat. Wenn es die Hölle wirklich gibt, können die anderen da noch was von mir lernen. 7 Minuten.
Manchmal versuche ich, die Menschen um mich rum zu verstehen. Einfach so. Vielleicht wären sie alle gar nicht so, wenn sie eine schönere Kindheit gehabt hätten. Oder weniger Pickel in der Pubertät. Oder irgendwelche anderen Probleme, was weiß ich. Vielleicht bin ich wirklich einfach asozial, vielleicht liegt es daran, dass sich für mich auch nie jemand interessiert hat, bis ich angefangen habe zu klauen damals. Lappalien. Aber die Ohrfeigen, die es regelmäßig gesetzt hat, waren besser, als gar nicht beachtet zu werden. Dass es meinem Vater ja auch nicht geschadet hätte war allerdings der Witz des Jahrtausends. Ich frage mich, wie ihre Facebookfreunde einen großen roten Handabdruck in den hübschen Puppengesichtern finden würden. 5 Minuten. Und die S7 fährt im Pendelverkehr. Mir egal.
Meine Venen fangen an zu pulsieren. Mein Blut beginnt zu kochen. Hält mich doch eh jeder immernoch für einen Junkie, was macht es da für einen Unterschied? Ich beuge meinen rechten Arm und kann spüren, wie sich die Mantelfalte gegen die verhärtete Stelle drückt. Über HIV hab ich mir noch nie Gedanken gemacht. Vor sieben Monaten hab ich einen Test zusammen mit Ben gemacht. Er ist vorgestern gestorben. Ich hab mir nichtmal mein Ergebnis abgeholt. Stricher-Schicksal, genauso wie der Schmerz beim Sitzen oder die hin und wieder eingerissenen Mundwinkel. Kann eben jedem passieren. 4 Minuten.
Mein Schwanz juckt. Ich will gar nicht wissen, warum. Ich will ficken und trinken, dann hab ich wenigstens was zu tun. Wen oder was tut hier ja schon lange nichts mehr zur Sache. Warmes Fleisch, das Gefühl von Nähe und der betäubende Geruch in meiner Nase wären nur ein schöner Nebeneffekt. Eine der beiden leichtbekleideten Partyüberbleibsel entleert seinen hübschen Mageninhalt quer über den Bahnsteig. Sie erhebt sich für mich zur Kunstfigur, zur Göttin, die mein Leben darstellt. Ihre Freundin hält ihr die Haare. Würd ich vielleicht auch machen, wenn sonst keiner da wäre. Ein paar gelbliche Spritzer treffen meinen rechten Schuh. 2 Minuten.
Zwei bullige Mitarbeiter der Deutschen Bahn laufen an mir vorbei. Marineblau gekleidet und mit gedämpftem Ton mustern sie jede meiner Bewegungen genau. Scheinen mal wieder genauer Bescheid zu wissen als ich, die Wichser. Impotente kleine Wichser, die es zu nichts gebracht haben in ihrem Leben. Irgendwo muss man ja den Macker raushängen lassen können. Den Schwarzfahrern Berlins die eigene Ohnmacht in ihren jämmerlichen Laufbahnen heimzahlen – na wenn das mal nicht innovativ ist! Ich vermisse Ben. Jetzt schon. Verdammt. Meine Eltern haben mich spontan enterbt, als sie erfahren haben, dass ich schwul bin. Hat in der Praxis keinen großen Unterschied gemacht, nur, dass sie mich jetzt öffentlich verachten. Aus mir hätte wohl was Anständiges werden sollen. Katholischer Priester vielleicht, dann hätte ich wenigstens nicht immer den Arsch hinhalten müssen. Ich erwische meine nasskalte Hand dabei, wie sie den Teelöffel immer fester und fester umklammert. Als würde der mir noch Halt geben können. Ich muss lachen und spüre, wie meine spröden Lippen dabei aufplatzen. Blutiger Geschmack. Mein Schwanz hört nicht auf zu jucken. In den Neunzigern wär das jetzt vielleicht noch „Grunge“. So als Statement. Heute finde ich das einfach nur widerlich. 1 Minute.
Zeit vergeht, Zeit bleibt stehen, ich habe einfach nur genug. Aus den roten Lippen meiner Göttin sprudelt ein zweites Mal etwas, von dem ich mir gut vorstellen könnte, dass mein Kopf genau damit gefüllt ist und nur deshalb nicht richtig funktioniert. Irgendwas läuft immer falsch. Fehler im System. Ihr könnt mich alle mal. Ben. Berlin hat dich getötet. Diese verdammte Stadt. Irgendwann lauf ich Amok. Ganz gemütlich lauf ich durch die Straßen und verteile Hirnmasse an all den hässlichen Eigentumswohnungen und Loft-Häusern, in denen du dein Auto direkt im Schlafzimmer parken kannst. Die Minutenanzeige verschwindet. S irgendwas Richtung Goodbye. Ich schließe meine verheulten Augen und lasse mich fallen. Ben.

All die bunten Lichter. Wie sie glitzern und glänzen. Flimmern und flacken, uns alle irritieren und doch gar nicht real sind. Es ist schön, geblendet zu sein. Alles plötzlich so wundervoll unwirklich. Nur ich und du und all die anderen.
Finde mich wieder in einem Kasten ohne Deckel und ohne Boden. Er war mal blau, glaube ich. Überall Buchstaben, Worte, Sätze, Verse. Gedanken, Bilder, Menschen. Niedergeschriebene Leben auf dreckigblauen Hartplastikwänden. Neben meinem Kopf sind Füße und Kotze. Keine Ahnung, wie die da hinkommen.
Metallischer Geschmack in meinem Mund, vermischt mit Magensäure. Vielleicht habe ich an aus Wänden herausstehenden Nägeln gelutscht. Könnte allerdings auch Blut sein. Das Leben birgt Rätsel.
Richtungswechsel.
Bunte, ölige Köpfe in einer Reihe unter mit schmierigem Rot vollgeschriebenen Wahrheitsverzerrern. Ob Jacko’s Nase das auch noch ausgehalten hätte?
Liebe und Wahrheit, so nah beieinander, und doch merke ich, wie sich ein Klumpen allesüberschattenden Gerölls langsam meine Speiseröhre hochbewegt, im Rhythmus der Musik. Der Bass übertönt alle Geräusche, doch das ehemalige Glitzerkleid neben mir sagt, es muss doch irgendwie “platsch” gemacht haben.
Hände an meinem Körper. Überall und nirgendwo. Füße auf meinen Füßen. Exzess dringt durch all meine Poren, immer wieder rein und raus, der beste Sex, den ich je hatte. Alles eine Masse, jung, unverbraucht und hässlich.
Titten wohin ich sehe. Durchgeschwitzte, stinkende Shirts hüllen mich ein, fühle mich wie in einer Wiedergeburtszeremonie mit nassen Luftballons und Wolldecken.
Dunkelheit. Die Ausgeburt eines Flammenmeers in meiner Lunge. Lösche mit desinfizierender Flüssigkeit.
Gesichter habe ich schon lange nicht gesehen. Lippen jede Sekunde gespürt.
Starke, behaarte Pranken an meinen Schultern. Tiefe Grunzlaute in meinem Ohr. Hässliche Stirnfalten, die mir spöttische Laute zuwispern. Ich im Karussell meiner Sinne.
Plötzliches Erscheinen von mit Diamantglas bedeckter urbaner Allgegenwärtigkeit unter meinem leichtbekleideten Arsch. Die Welt ist ein asphaltiertes Leichenschauhaus, alle Menschen ein Virus.
Tausend kleine Nadeln stechen in meine Haut, meine Atemwege erstarren zu Eis und zerspringen womöglich beim ersten Luftzug. Bloß nicht einatmen. Meine Augen schmerzen, bin ein Vampir im Körper eines Zombies von einem anderen Planeten.
Ich komme vom Mond, brauche keinen Sauerstoff zum Überleben, nur bunte Farben und jemanden, der mich trägt. Ich leuchte, ich scheine bunt, ein Regenbogen umgibt mich, denn ich bin eine Fee, perfekt bis ins letzte Detail. Meine zerrissene Robe und mein verfilztes Haar tun dem nie einen Abbruch. Ich bin das Optimum!
Straßen, gepflastert mit Leuchtraketen an Marterpfählen ziehen vorüber, lachen, weinen, auf dem Weg die große Liebe finden.
Längengrade und Breitengrade verschwimmen zu einer einzigen Linie, eine Linie aus kristallen, die wie von ganz allein bis tief meinen Rachen wandert, da, wo meine Seele sitzt.
Hell, dunkel, hell, dunkel, hell, dunkel, Daunen.
Milliarden Hühner scheinen gerupft zu sein für dieses Paradies aus Wolken. Reste von Körperflüssigkeiten an geblümter Bettwäsche. Reste von Hirn in meinem Schädel.
Lautes Gegacker, gebratene Eier, Federkissen, tote Hühner. Blut, das floss. Vielleicht die Lösung des geschmacklichen Rätsels im Hartplastikkasten.
Hängende Mundwinkel flüstern Enttäuschung, meine Augen schreien Lustprinzip.
Ein ganzes Leben vor mir. Bereit, genutzt zu werden. Bereit, gelebt zu werden.
Mein Kopf ist eine Bombe.
Männer in großen, runden Säcken, erneut gefüllt mit toten Hühnern, in der Trauerfarbe schwarz, wartend vor den Toren Edens. Goldglänzende Sterne aus lüsternen Mündern. In Zement gegossene Schwänze in zu engen Jeans. Es ist nur ein Mal ausholen, und sie müssen sich nie wieder quälen.
Wollüstiges Eindringen in warmes, wohliges Fleisch. So unberührt, so ganz. Metall ist stärker als Samenstränge.
Rote Sturzbäche zwischen fettigen Schenkeln, Leben gerettet, nicht unbedingt seins.
Erinnere mich an Schultage. Rotstift stand schon immer für Fehler.
Bin Niemals so frei gewesen, bin niemals so schnell gewesen, renne, spüre, wie sich
meine Beine bewegen, eins vor das andere, bin anmutig wie eine Ballerina, schwebe förmlich davon. Verrottende Leichenteile kilometerweit hinter mir.
Rotes Licht, blaues Licht, buntes Licht, fühle mich zu Hause, laute Geräusche bringen mein Trommelfell zum Explodieren. Wiege mich im Beat, höre es klicken, wo sind meine Hände?
Kann sie nicht spüren, kann sie nicht sehen, sind plötzlich einfach von der Bildfläche verschwunden, als wären sie nie da gewesen, wie das mysteriöse Insekt, das im Kino endlich vom Projektor fliegt.
Kaltes Blech um meine vernarbten Handgelenke, raue Hände in meinem Nacken.
Einmal quer durchs Wunderland, eingeschnürt in losen Ketten, die sich um mich schmiegen wie einer dieser hochangepriesenen italienischen Maßanzüge von den großen Werbeflächen in der Stadt. Fühlte nie etwas Besseres.
Falsche Sicherheit. Grausames weiß fordert auf, sich zu verewigen. Käfighaltung. Legebatterie.
Aliens stehen vor mir, grüne Männchen, triumphierend wie Heldenfiguren von sich selbst, ein dumpfer Trommelwirbel auf meinen Kopf. Ihr Tusch.
Allgegenwärtige Abwesenheit, Taubheitsgefühl in all meinen Gliedern.
Ein Jahrtausend später erwacht. Klebriges Gefühl da, wo ein Slip sein sollte.
Mein Hals schnürt sich zu. Unfähigkeit, sich zu bewegen, als wäre ich mitten in den harten Steinboden eingegossen. Wie ein Stern am Walk of Fame.
Extraterrestrische, zufriedene Visagen mit qualmenden Siegesfackeln in dreckigen Händen. Zurückgelehnt sitzen sie da, Stolz und Schweiß lässt sie bis hier her stinken.
Gold wird wieder über fette, hässliche Wülste gestülpt, wie ein Schleier der Unschuld.
Schädel gegen Wand, unerbittliches Duell.
Fremdes Weib erscheint in meiner Welt, beschuldigt sich, mich aus ihrem von Lügen durchtränkten Leib gepresst zu haben.
“13”, sagt sie, “Unglückszahl. Da machen Kinder sowas.” und packt mich bei der Hand.
[Montag, 10. Januar 2011, 01:43:32]